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Bellach
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Bellach (im lokalen Dialekt BÀuch []cite-ref-ortsname-5-0[5]) ist eine Einwohnergemeinde im Schweizer Kanton Solothurn. Sie gehört zum Bezirk Lebern.
Contents
âą Geographie
⹠Bevölkerung
âą Politik
âą Wirtschaft
âą Geschichte
âą Pulverhaus
âą Wappen
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Geographie
Die Vorortsgemeinde im Westen der Stadt Solothurn grenzt ausser an die Stadt noch an sechs weitere Gemeinden, nĂ€mlich Langendorf, Oberdorf, Lommiswil, Selzach, LĂŒsslingen-Nennigkofen und an Biberist.
Die FlĂ€che betrĂ€gt 530 ha, die Höhenlage variiert von 425 m im SĂŒden bis 544 m im Norden.
Bevölkerung
Die Bevölkerungsentwicklung der Gemeinde Bellach erfolgte zunĂ€chst sehr langsam. Um 1500 dĂŒrften hier etwa 200 Menschen gelebt haben. Um 1800 waren es etwa 430 und um 1850 686 Einwohner. Bis 1941 hatte sich die Einwohnerzahl dann auf 1'377 verdoppelt, 1950 zĂ€hlte man 1'606 Personen. Seither nahm die Bevölkerung rasant zu. Seit den 1950er-Jahren sind im östlichen Dorfteil, zuerst sĂŒdlich, dann nördlich der Bielstrasse die beiden grossen Wohnquartiere Grederhof und Franziskanerhof entstanden.
| Jahr | Einwohner | Jahr | Einwohner |
|---|---|---|---|
| 1500 | 200 1) | 1970 | 3871 |
| 1800 | 430 1) | 1980 | 4361 |
| 1850 | 686 | 1990 | 5200 |
| 1941 | 1377 | 2000 | 5150 |
| 1950 | 1606 | 2001 | 5200 |
| 1960 | 2319 | 2010 | 5183 |
| 1) UngefÀhre Angaben | 1) UngefÀhre Angaben | 1) UngefÀhre Angaben | 1) UngefÀhre Angaben |
| Einwohner | 5218 |
|---|---|
| Religion | Einwohner |
| Römisch-katholisch | 1796 |
| Reformiert | 1476 |
| Christkatholisch | 17 |
| Islam | 664 |
| Andere | 257 |
| Konfessionslos | 1008 |
Politik
Der Gemeinderat zĂ€hlt 13 Mitglieder (5 FDP, 3 SP/GrĂŒne, 3 SVP, 2 CVP). In Gemeinderat und Kommissionen arbeiten gut 130 Personen nebenamtlich mit. Die Gemeindeverwaltung ist seit 1973 im eigenen VerwaltungsgebĂ€ude untergebracht, einem Gemeinschaftsbau mit der Post. Seit 1974 mit jeweils zeitgemĂ€ssen EDV-Mitteln ausgerĂŒstet, arbeiten heute 9 Personen vollamtlich. Hauptprobleme sind derzeit wie vielerorts die Finanzen. Der Bau des Turbensaales, eines neuen Primarschulhauses und eines Kindergartens im Franziskanerhof, die Erneuerung und Erweiterung des Primarschulhauses Kaselfeld und ein Erweiterungsbau beim Schulhaus Dorf erforderten Investitionen von fast 30 Millionen Franken. Zusammen mit umliegenden Gemeinden sind Betagten- und Pflegeheime in der Region erstellt worden. Eine regionale Kompostieranlage wurde privatwirtschaftlich realisiert. Die knapper werdenden Baulandreserven werden die Entwicklung der Gemeinde den kommenden Jahren in etwas ruhigere Bahnen leiten, was aus der Sicht der Behörden nur erwĂŒnscht sein kann. Im Rahmen der neuen Ortsplanung ist die kĂŒnftige Entwicklung der Gemeinde neu definiert worden, insbesondere auch das VerhĂ€ltnis zwischen Wohn- und Gewerbezonen.
Wirtschaft
Bellach war lange Zeit ein kleines Bauerndorf. Neben der Landwirtschaft war nur gerade etwas Kleingewerbe ansĂ€ssig. Die Landwirtschaft erlebte ĂŒber die Jahrhunderte eine stetige Entwicklung, allerdings brachte das Land in der immer wieder ĂŒberschwemmten Aare-Ebene sehr wechselhafte ErtrĂ€ge. Seit der zweiten JuragewĂ€sser-Korrektion ist auch in diesem Gebiet eine normale landwirtschaftliche Produktion möglich. Heute gibt es in Bellach noch 16 Landwirtschaftsbetriebe, darunter einige reine Ackerbaubetriebe.
Versuche, um 1840 mit der Wasserkraft des Haltenbachs und des Bellacher Weihers eine moderne MĂŒhle zu betreiben, scheiterten. 1857 ersteigerte Kaspar Schwarz aus Brugg die MĂŒhle, den Weiher und die Wasserrechte und grĂŒndete eine Baumwollweberei. Nach ihm erhielt der Weiher die heute noch gelĂ€ufig Bezeichnung «Schwarzes Meer». Die Baumwollweberei entwickelte sich zusehends und wurde mehrmals erweitert. 1923 wurde sie an Fritz Leysinger verkauft und bis in die 1950er-Jahre betrieben. Gewandelte MarktbedĂŒrfnisse und die in- und auslĂ€ndische Konkurrenz von Grossbetrieben fĂŒhrte 1969 zur Produktionseinstellung.
Weniger bekannt blieben eine Eisengiesserei, die um 1880 Dreschmaschinen herstellte und bis nach SĂŒdamerika exportierte, sowie zwei Cigarrenfabrikanten.
Mit dem Aufkommen der Uhrenindustrie und mit dem Bau der Solothurn-MĂŒnster-Bahn (SMB) wurde der Arbeiter-Anteil an der Bevölkerung grösser. Bis zum Zweiten Weltkrieg entstanden eine Vielzahl neuer, kleiner Gewerbe- und Industriebetriebe, von denen allerdings die meisten die grosse Krise nicht ĂŒberstanden.
Grössere Betriebe siedelten sich ab Mitte der 1930er-Jahre an, so Fraisa, Kisag und Carrosserie Hess. SpÀter kamen weitere dazu. Noch heute beschÀftigt der Industriesektor im Ort mehr Personen als der Dienstleistungs-Sektor. Entlang der Bielstrasse fallen einige Autogaragenbetriebe auf. Aus anfÀnglich kleinen, örtlichen Gewerbebetrieben entwickeln sich weitherum bekannte Betriebe, wie MAB, die Holzbaubetriebe SpÀti und Flury/Hallag und die Maschinenfabrik Prétat.
Tourismus / Freizeit
In der nahen Aare-Ebene lÀdt ein ausgedehntes Flurwegnetz zum Wandern und Radfahren ein. Der ehemals gewerblich genutzte Bellacher Weiher und das «WeihertÀli», das sich gegen Westen nach Selzach erstreckt, bilden heute ein beliebtes Naherholungsgebiet, seine Bedeutung wird mit einem neuangelegten Naturlehrpfad erlÀutert.
Das kulturelle Leben im Dorf hat in den 1970er und 1980er Jahren etwas gelitten, zum einen weil 20 Jahre lang ein Saal fehlte, zum anderen, weil die NÀhe der Kantonshauptstadt mit ihrem vielfÀltigen Angebot viele Bellacher anzieht. Seit 1992 hilft der Turbensaal mit, die kulturelle EigenstÀndigkeit wieder zu beleben.
Geschichte
Die Gegend von Bellach ist seit etwa 3000 Jahren besiedelt, der Ortsname wird jedoch erstmals 1294 als Bella urkundlich erwĂ€hnt. Bis heute bekannte Funde zeigen, dass die frĂŒhen Ansiedlungen ausschlieĂlich nördlich der SBB-Linie lagen, die beiden römischen Gutshöfe deutlich erhöht auf dem GeugisbĂŒel und am Weiherrain, also geschĂŒtzt vor den Ăberschwemmungen der Aare. Bekannt ist die in den achtziger Jahren des 16. Jahrhunderts gefundene Statue Venus von Bellach aus dem Beginn des 2. Jahrhunderts n. Chr.
Der Ortsname findet sich erstmals 1294 als (ze) Bella und 1303 als (in) Bellach bezeugt. Er geht auf einen galloromanischen Personennamen zurĂŒck, der um ein Ableitungssuffix erweitert worden ist: Der anzunehmende ursprĂŒngliche Ortsname *in BellÄco (fundo) bedeutet âbeim Landgut des Bellusâ.cite-ref-ortsname-5-1[5]
Schon 1548 wurde der Bellacher Weiher kĂŒnstlich angelegt, vorerst um die nahe Stadt mit Fischen zu versorgen. SpĂ€ter und bis in die AnfĂ€nge unseres Jahrhunderts, wurde im Winter Weiher-Eis gebrochen. Dieses lagerten die Brauereien in der Stadt Solothurn in Kellern ein und verwendeten es im Sommer, um das Bier zu kĂŒhlen.
Reichliche Quellwasservorkommen wurden seinerzeit an die Gemeinde Langendorf und vor allem an die Stadt Solothurn verkauft. Das Wasser aus der Römersmatt wurde zuerst in einer hölzernen und ab ca. 1780 in einer steinernen Leitung in die Stadt gefĂŒhrt. Dieser «Ausverkauf» fĂŒhrte dazu, dass die Gemeinde in den Jahren nach 1940 selbst unter Wassermangel litt und ein Quellwasser-Vorkommen auf Selzacher-Boden erschliessen musste. 1972 konnte schliesslich das Stadtwasser in der Römersmatt zurĂŒckgekauft werden.
Die Altermatt-Karte von 1822 zeigt einen anderen sĂŒdöstlichen Grenzverlauf zu Solothurn als heute, das Gebiet östlich des Wildbachs bis zum heute solothurnischen BrĂŒhlgraben gehörte damals noch zu Bellach.
1774 wurde Franziskus Fröhlicher, Abt von Fischingen, in Bellach geboren.
SehenswĂŒrdigkeiten
Siehe auch
:
Liste der KulturgĂŒter in Bellach
Steinbruch Lommiswil
Auf Gemeindegebiet von Oberdorf besitzt die BĂŒrgergemeinde neben Wald im Gebiet Steingrueben auch einen Steinbruch, in welchem vor einigen Jahren Dinosaurierspuren entdeckt wurden. Diese bilden seither eine Attraktion in unserer Gegend und können von einer eigens erstellten Besichtigungskanzel betrachtet werden.cite-ref-6[6]cite-ref-7[7]
Im Steinbruch wurde frĂŒher der bekannte weisse Solothurnerstein abgebaut, derzeit sind nur gelbliche Schichten vorhanden.
Pulverhaus
Das markante, trutzige GebĂ€ude ist vermutlich zu Anfang des 18. Jahrhunderts durch die damalige kantonale MilitĂ€rverwaltung auf freiem Feld, ausserhalb der Stadt, erstellt worden um Schiesspulver bzw. Munition zu lagern. Es wurden mehrere fast identische GebĂ€ude rund um die Stadt errichtet. Die Standorte im freien Feld sollten im Falle einer Explosion den Schaden möglichst gering halten. Bis in die erste HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts diente das GebĂ€ude als LagerstĂ€tte fĂŒr Munition verschiedener Art, spĂ€ter wurden nur noch weit harmlosere Artikel gelagert, zuletzt Uniformstoff. Eine gut durchdachte Bauweise und ein fĂŒr die damalige Zeit raffiniertes LĂŒftungssystem gewĂ€hrleisteten im unbeheizten GebĂ€ude ein ausgeglichenes, trockenes Klima. In den 1990er Jahren verĂ€usserte der Kanton im Zuge seiner Sparmassnahmen nicht mehr benötigte GebĂ€ude, unter anderem die PulverhĂ€user. GlĂŒcklicherweise konnte die BĂŒrgergemeinde Bellach das GebĂ€ude erwerben und nach einer gelungenen, aufwendigen Restaurierung und Erweiterung der Ăffentlichkeit fĂŒr FestanlĂ€sse aller Art zur VerfĂŒgung stellen.
Chalet Geissfluh / BĂ€ucher HĂŒtte
Das einfache Berghaus, ohne Wasser- und Stromanschluss wurde 1934 erstellt. Das Haus war damals nur zu Fuss zugĂ€nglich, d. h. alles Baumaterial musste ĂŒber eine beachtliche Wegstrecke zum Bauplatz getragen werden. Mit dem Bau einer neuen Walderschliessungsstrasse, welche ins AlthĂŒsli fĂŒhrt, ist die BĂ€ucher HĂŒtte heute besser erschlossen, nur die letzten ca. 150 m mĂŒssen noch zu Fuss zurĂŒckgelegt werden. Das Chalet Geissfluh wurde immer wieder renoviert, der Charme des einfachen Berghauses ohne jeglichen Zivilisationskomfort aber unverĂ€ndert erhalten.
Wappen
Das Wappen zeigt auf blauem Schild einen steigenden Schimmel mit zerrissenen ZĂŒgeln.
Persönlichkeiten
âą Josef BlĂ€si (1833â1903), Jurist, Bundesrichter und Politiker
âą Peter Bichsel (1935â2025), Schriftsteller, wohnte in Bellach
Literatur
Weblinks
Commons
: Bellach
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
âą Offizielle Website der Gemeinde Bellach
Einzelnachweise
cite-note-11. Geographische Kennzahlen â Suche. Gemeindestand 06.04.2025. In: Applikation der Schweizer Gemeinden (admin.ch). Bundesamt fĂŒr Statistik (BFS), abgerufen am 29. August 2025 (bei spĂ€teren Gemeindefusionen wurden die FlĂ€chen zum Stand 1. Januar 2025 zusammengefasst).
cite-note-22. Geographische Kennzahlen â Suche. Gemeindestand 06.04.2025. In: Applikation der Schweizer Gemeinden (admin.ch). Bundesamt fĂŒr Statistik (BFS), abgerufen am 29. August 2025 (bei spĂ€teren Gemeindefusionen wurden die FlĂ€chen zum Stand 1. Januar 2025 zusammengefasst).
cite-note-33. Bilanz der stĂ€ndigen Wohnbevölkerung nach Bezirken und Gemeinden, 1991â2024. In: bfs.admin.ch. Bundesamt fĂŒr Statistik, abgerufen am 28. August 2025 (bei spĂ€teren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2024 zusammengefasst).
cite-note-44. StÀndige und nichtstÀndige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Staatsangehörigkeit (Kategorie), Geschlecht und Alter, 2010-2024. Bei spÀteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2024 zusammengefasst. Abruf am 28. August 2025
cite-note-ortsname-55. â Bellach. In: Solothurnisches Orts- und Flurnamenbuch. Digital auf ortsnamen.ch â dem Portal der schweizerischen Ortsnamenforschung. Abgerufen am 17. MĂ€rz 2025.
cite-note-66. â Dinosaurierspuren-im-steinbruch-bei-lommiswil auf dem Server erlebnis-geologie.ch
cite-note-77. â C. A. Meyer: Die Dinosaurierspuren im Steinbruch der BĂŒrgergemeinde Bellach (oberhalb Lommiswil). In: Bellacher Kalender 1992, S. 83â88.